Das Babylon der Geschlechter
Die Welt (16.03.2002)
Artikel über das Seminar "Wie Mann Frauen führt"

Manager sollten Frauen anders führen als Männer. Missverständnisse bei Deutung der Körpersprache

Von Axel Gloger

Wiesbaden - Männer sind vom Mars. Frauen kommen von der Venus. Aber in den Büros müssen beide miteinander funktionieren. Deshalb die Empfehlung: "Wer führt, sollte auf die Unterschiede eingehen", sagt Martina Aron-Weidlich. Die Einheits-Behandlung von Männern und Frauen durch das Management sei fehl am Platz, so die Beraterin aus Offenbach, denn sie produziere Missverständnisse und Konflikte am laufenden Band.

Deutlich wird die Offenbacher Beraterin auf dem Seminar "Wie Mann Frauen führt", das der Veranstalter Management Circle in Wiesbaden durchgeführt hat (Wiederholungstermin: 24./26. April in Berlin): Frauen und Männer wollen zwar immer nur das Beste, weil aber jeder nur die Sprache seines Planeten spricht, kommt Verwirrung heraus. So kann der verkehrte Führungsstil Reibungsverluste und Leistungseinbußen erzeugen.

Es geht aber auch anders. Männer sollten sich auf die Eigenheiten weiblicher Kommunikation einstellen - auch im Arbeitsalltag. "Männer müssen nicht immer den rettenden Ritter spielen", heißt es bei Management-Circle: Meist bringt es im Führungsverhältnis Mann-Frau mehr, wenn der Chef auf die lange geübten Riten verzichtet, und sich auf sein Gegenüber einstellt. Dabei muss er einige Punkte berücksichtigen:

Verständigung: Frauen kommunizieren ganzheitlich. Sie nehmen mehr körpersprachliche Signale wahr als Männer. Darauf kann Mann sich aber auch einstellen: "Es muss nicht sein, dass Männer erst kurz vor dem Weinkrampf auf Körpersprache reagieren", sagt Aron-Weidlich: Jede Kommunikation bestehe zu fünf Prozent aus fachlich-sachlichen Informationen, zu 40 Prozent aus verbalen Nachrichten und zu 55 Prozent aus Körpersprache. Das Beachten der nonverbalen Komponente kann trainiert werden.

Konflikte: Wer auf nonverbale Sprache achtet, kann Konflikte frühzeitig entschärfen. Männliche Chefs sind oft völlig überrascht, wenn eine bewährte Mitarbeiterin einfach ins Büro kommt und die Kündigung auf den Tisch knallt - eine typische Mars-Venus-Kollision. Mann sagt: "Sie hätten doch ruhig schon eher mal was sagen können!". Frau entgegnet: "Seit einem halben Jahr gebe ich ihnen schon Signale, dass etwas nicht stimmt." Der Rat an die Männer: Konfliktär ist eine Sache nicht erst dann, wenn sie kracht. Wer frühzeitig schon auf schlechte Stimmungen achtet, umgeht Kündigungen von talentierten jungen Frauen.

Frauen richtig fördern. Die von Männern bevorzugten Netzwerke werden von Frauen oft als Klüngel verstanden, beobachtete Martina Aron-Weidlich. Während Männer sich in Seilschaften ohne viel Aufhebens gegenseitig weiter bringen, stehen Frauen oft außen vor. Werden sie dann trotzdem mitgenommen, fühlen sie sich nicht selten als Quotenfrau. Der Rat von Aron-Weidlich: Männer sollten Frauen klarmachen, dass sie wegen ihrer Leistung und ihres Könnens gefördert werden - und Frauen sollten bereit sein, das Netzwerk-Spiel einfach mitzumachen, ohne sich ständig in Frage zu stellen.